Lernsprints – ausdauernd und dynamisch oder beschleunigt und atemlos?

Ich lerne inzwischen nur noch in Sprints. Und das Beste ist, mir geht dabei nicht die Puste aus. Stattdessen fühle ich mich häufig angeregt weiterzumachen. Der Lernsprint hilft mir, das Lernen in übersichtliche und bewältigbare Etappen einzuteilen, die die Motivation bewahren und den Spaß fördern.

Im Sport steht der Sprint ja eher für die Kurzstrecke. Und persönlich verbinde ich damit ein Gefühl der Erschöpfung und des „niemals gut genug sein“. Im Sport geht es beim Sprint um das Erzielen größtmöglicher Geschwindigkeiten, um „lokomotorische Schnelligkeit“ und „Schnelligkeitsausdauer“. Das sind alles Elemente, die ich nicht unbedingt mit guten Lernbedingungen in Verbindung bringen würde. Im Gegenteil, mir vergeht bei diesen Worten die Lust aufs Sprinten.

Fürs Lernen denke ich eher in Langstrecken, und dennoch lerne ich in Sprints. Für mich ist das ist kein Widerspruch! Zwar hat ein Lernsprint immer ein Ziel und auch eine klar abgesteckte Strecke – ähnlich wie im Sport (wobei die Strecke beim Lernen eher eine festgelegte Dauer ist), aber es geht weniger um größtmögliche Geschwindigkeiten als um zielgerichtetes Lernen, die Erweiterung der eigenen Kompetenzen, das Verlassen der Komfortzone, das Experimentieren mit Unbekanntem und das Entdecken neuer Dinge – oder was immer man mit dem eigenen Lernen verbindet und verfolgt. Das Erreichen des Ziels bedeutet beim Lernsprint jedenfalls nicht das Ende des Lernens. Denn in der Regel folgt auf jeden Sprint ein neuer.

Wasa-Läufer in Mora (privat)

Agil sprinten

Im Agilen beschreibt ein Sprint eine feste Zeitdauer, innerhalb derer bestimmte Aufgaben erledigt werden sollen, um ein vorher festgelegtes Ziel zu erreichen. Eine zufällig aus dem Netz gefischte Definition lautet beispielsweise:

„Ein Sprint ist ein kurzer, fest definierter Zeitraum, in dem ein Scrum-Team ein bestimmtes Arbeitskontingent erledigt.“

https://www.atlassian.com/de/agile/scrum/sprints

Bezogen auf das Lernen heißt das: Ich setze mir ein Lernziel und bestimme, wie viel Zeit ich mir dafür nehme. Damit habe ich den Rahmen für meinen Lernsprint abgesteckt. Wenn das Ziel ein sehr großes ist, wie das Lernen einer neuen Sprache, kann ich mir auch Teilziele setzen und diese jeweils einem einzelnen Sprint zuordnen. Dadurch wird das Lernen überschaubarer und nicht gleich zu einer so großen Sache, dass man gar nicht erst anfängt. Nützlich ist es, sich außerdem zu überlegen, welche Lernmaterialien ich nutzen möchte, auf welche Art ich lernen möchte (allein, in der Gruppe, lesend, hörend, sehend …) sowie wann und wo ich lernen möchte. Und dann kann es losgehen.

Wie beim Sport steht auch beim Lernsprint nach dem Zieleinlauf ein Rückblick auf dem Programm. Habe ich mein Ziel erreicht? Wie ist der Sprint insgesamt gelaufen? Bin ich zufrieden? Wenn nicht – was hat mich aufgehalten oder behindert? Was hat gut gepasst, was nicht? Was kann ich beim nächsten Mal besser machen? Was möchte ich lieber vermeiden?

Und dann geht‘s weiter – mit dem nächsten Sprint. Wobei ich das nicht so streng sehe. Auch beim Lernen kann Regeneration – wie im Sport – ja manchmal sinnvoll sein. Aber wenn wir uns als lebenslang lernende Wesen betrachten, lernen wir nie aus, sondern immer weiter dazu.

Ich erlebe das Lernen in Sprints als Bereicherung. Also liegt es nahe, das Sprintlernen auch in meinen Workshops anzuwenden. Gesagt, getan: Im Rahmen der BücherFrauen-Akademie habe ich inzwischen zwei Lernsprints zum Thema Akquise durchgeführt.

Mephisto sagte einst zu Faust: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldener Baum“ Deswegen bringt der nächste Blogbeitrag Farbe ins Spiel – mit einem ausführlichen Rückblick auf die beiden Akquise-Sprints.

Los geht’s (privat)

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